Title:

Unterm Birnbaum

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

vornehm.   Ach,   ich   rede   nicht   gern   davon,   aber   deine   Vornehmheit   ist   mir   teuer   zu   stehn gekommen." Ursel legte das Samtkäpsel aus der Hand, steckte die Nadel hinein und sagte, während sie sich mit halber Wendung von ihm ab und dem Fenster zu kehrte: "Höre Hradscheck, wenn du gute Tage mit mir haben willst, so sprich nicht so. Hast du Sorgen, so will ich sie mittragen, aber du darfst mich nicht dafür verantwortlich machen, daß sie da sind. Was ich dir hundertmal gesagt habe, das muß  ich  dir  wieder  sagen.  Du  bist kein  guter Kaufmann, denn  du hast das  Kaufmännische  nicht gelernt, und du bist kein guter Wirt, denn du spielst schlecht oder doch nicht mit Glück und trinkst nebenher  deinen  eigenen  Wein  aus.  Und  was  da  nach  drüben  geht,  nach  Neu-Lewin  hin,  oder wenigstens gegangen ist", und dabei wies sie mit der Hand nach dem Nachbardorf, "davon will ich nicht reden, schon gar nicht, schon lange nicht. Aber das darf ich dir sagen, Hradscheck, so steht es mit dir. Und anstatt dich zu deinem Unrecht zu bekennen, sprichst du von meinen Kindereien und von dem hochwürdigen Bischof, dem du nicht wert bist die Schuhriemen zu lösen. Und wirfst mir dabei meine Bildung vor." "Nein, Ursel." "Oder daß ich’s ein bißchen hübsch oder, wie du sagst, vo rnehm haben möchte." "Ja, das." "Also  doch.  Nun  aber  sage  mir,  was  hab  ich  getan?  Ich  habe  mich  in  den  ersten  Jahren eingeschränkt  und  in  der  Küche  gestanden  und  gebacken  und  gebraten,  und  des  Nachts  an  der Wiege gesessen. Ich bin nicht aus dem Haus gekommen, so daß die Leute darüber geredet haben, die dumme Gans draußen in der Ölmühle natürlich an der Spitze, du hast es mir selbst erzählt, und habe  jeden  Abend  vor  einem  leeren  Kleiderschrank  gestanden  und  die  hölzernen  Riegel  gezählt. Und so sieben Jahre, bis die Kinder starben, und erst als sie tot waren und ich nichts hatte, daran ich mein Herz hängen konnte, da hab ich gedacht, nun gut, nun will ich es wenigstens hübsch haben und  eine  Kaufmannsfrau  sein,  so  wie  man  sich  in  meiner  Gegend  eine  Kaufmannsfrau  vorstellt. Und als dann der Konkurs auf Schloß Hoppenrade kam, da hab ich dich gebeten, dies bißchen hier anzuschaffen, und das hast du getan, und ich habe mich dafür bedankt. Und war auch bloß in der Ordnung. Denn Dank muß sein, und ein gebildeter Mensch weiß es und es wird ihm nicht schwer. Aber all das, worüber jetzt soviel geredet wird, als ob es wunder was wäre, ja, was ist es denn groß? Eigentlich ist es doch nur altmodisch, und die Seide reißt schon, trotzdem ich sie hüte wie meinen Augapfel. Und wegen dieser paar Sachen stöhnst du und hörst nicht auf zu klagen und verspottest mich wegen meiner Bildung und Feinheit, wie du zu sagen beliebst. Freilich bin ich feiner als die Leute hier, in meiner Gegend ist man feiner. Willst du mir einen Vorwurf daraus machen, daß ich nicht  wie  die  Pute,  die  Quaas  bin,  die  ›mir‹  und  ›mich‹  verwechselt  und  eigentlich  noch  in  den Friesrock gehört und Liebschaftenhaben für Bildung hält und sich ›Kätzchen‹ nennen läßt, obschon sie bloß eine Katze ist und eine falsche dazu? Ja, mein lieber Hradscheck, wenn du mir daraus einen Vorwurf  machen  willst,  dann  hättest  du  mich  nicht  nehmen  sollen,  das  wäre  dann  das  klügste gewesen. Besinne dich. Ich bin dir nicht nachgelaufen, im Gegenteil, du wolltest mich partout und hast  mich  beschworen  um  mein  ›Ja‹.  Das  kannst  du  nicht  bestreiten.  Nein,  das  kannst  du  nicht, Hradscheck.  Und  nun  dies  ewige  ›vornehm‹  und  wieder  ›vornehm‹.  Und  warum?  Bloß  weil  ich einen Trumeau wollte, den man wollen muß, wenn man ein bißchen auf sich hält. Und für einen Spottpreis ist er fortgegangen." "Du sagst Spottpreis, Ursel. Ja, was ist Spottpreis? Auch Spottpreise können zu hoch sein. Ich hatte damals nichts und hab es von geborgtem Gelde kaufen müssen." "Das hättest du nicht tun sollen, Abel, das hättest du mir sagen müssen. Aber da genierte sich der werte Herr Gemahl und mußte sich auch genieren. Denn warum war kein Geld da? Wegen der Person drüben. Alte Liebe rostet nicht. Versteht sich." "Ach Ursel, was soll das! Es nutzt uns nichts, uns unsere Vergangenhe it vorzuwerfen." "Was meinst du damit? Was heißt Vergangenheit?" "Wie kannst du nur fragen? Aber ich weiß schon, das ist das alte Lied, das ist Weiberart. Ihr streitet eurem eignen Liebhaber die Liebschaft ab. Ursel, ich hätte dich für klüger gehalten. So sei doch nicht so kurz von Gedächtnis. Wie lag es denn? Wie fand ich dich damals, als du wieder nach 9
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum