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Unterm Birnbaum

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gewöhnlichen  Gleichgültigkeit  entrissen,  erholte  sich  aber  und  kroch,  unten  angekommen,  in Gemeinschaft mit Geelhaar und Woytasch auf die Stelle zu, wo hinter einem Lattenverschlage der Weinkeller war. Die Tür stand auf, etwas Erde war aufgegraben, und man sah Arm und Hand eines hier  Verscharrten.  Alles  andere  war  noch  verdeckt.  Aber  freilich,  was  sichtbar  war,  war  gerade genug, um alles Geschehene klarzulegen. Keiner  sprach  ein  Wort,  und  mit  einem  scheuen  Seitenblick  auf  den  entseelt  am  Boden Liegenden stiegen alle drei die Treppe wieder hinauf. Auch oben, wo sich Eccelius ihnen wieder gesellte, blieb es bei wenig Worten, was schließlich nicht  wundernehmen  konnte.  Waren  doch  alle,  mit  alleiniger  Ausnahme  von  Geelhaar,  viel  zu befreundet  mit  Hradscheck  gewesen,  als  daß  ein  Gespräch  über  ihn  anders  als  peinlich  hätte verlaufen können. Peinlich und mit Vorwürfen gegen sich selbst gemischt. Warum hatte man bei der gerichtlichen Untersuchung nicht besser aufgepaßt, nicht schärfer gesehen? Warum hatte man sich hinters Licht führen lassen? Nur das Nötigste wurde festgestellt. Dann verließ man das durch so viele Jahre hin mit Vorliebe besuchte Haus, das nun für jeden ein Haus des Schreckens geworden war, Kunicke schritt quer über den Damm auf seine Wohnung, Eccelius auf seine Pfarre zu. Woytasch war mit ihm. "Das Küstriner Gericht", hob Eccelius an, "wird nur wenig noch zu sagen haben. Alles ist klar und doch ist nichts bewiesen. Er steht vor einem höheren Richter." Woytasch nickte. "Höchstens noch, was aus der Erbschaft wird", bemerkte dieser und sah vor sich hin. "Er hat keine Verwandte hier herum, und die Frau, so mir recht is, auch nich. Vielleicht, daß es der Polsche wiederkriegt. Aber das werden die Tschechiner nich  wollen." Eccelius erwiderte: "Das alles macht mir keine Sorge. Was mir Sorge macht, ist bloß das: wie kriegen wir ihn unter die Erde und wo. Sollen wir ihn unter die guten Leute legen, das geht nicht, das leiden die Bauern nicht und machen uns eine Kirchhofsrevolte. Und was das Schlimmste ist, haben auch recht dabei. Und sein Feld wird auch keiner dazu hergeben wollen. Eine solche Stelle mag niemand auf seinem ehrlichen Acker haben." "Ich denke", sagte der Schulze, "wir bringen ihn auf den Kirchhof. Bewiesen ist am Ende nichts. Im Garten liegt der Franzos, und im Keller liegt der Polsche. Wer will sagen, wer ihn dahingelegt hat? Keiner weiß es, nicht einmal die Jeschke. Schließlich ist alles bloß Verdacht. Auf den Kirchhof muß er also. Aber seitab, wo die Nesseln stehen und der Schutt liegt."   "Und das Grab der Frau?" fragte Eccelius. "Was wird aus dem? Und aus dem Kreuz?" "Das werden sie wohl umreißen, da kenn ich meine Tschechiner. Und dann müssen wir tun, Herr Pastor,  als  sähen  wir’s  nicht.  Kirchhofsordnung  ist  gut,  aber  der  Mensch  verlangt  auch  seine Ordnung." "Brav,  Schulze  Woytasch!"  sagte  Eccelius  und  gab  ihm  die  Hand.  "Immer’s  Herz  auf  dem rechten Fleck!" Geelhaar  war  im  Hradscheckschen  Hause  zurückgeblieben.  Er  hatte  den  Polizei-Kehr-mich- nicht-dran  und  machte  nicht  viel  von  der  Sache.  Was  war  es  denn  auch  groß?  Ein  Fall  mehr. Darüber ging die Welt noch lange nicht aus den Fugen. Und so ging er denn in den Laden, legte die Hand auf Edes Kopf und sagte: "Hör, Ede, das war heut ein bißchen scharf. So zwei Dodige gleich morgens um neun! Na, schenk mal was ein. Was nehmen wir denn?" "Na, ‘nen Rum, Herr Geelhaar." "Nei, Rum is mir heute zu schwach. Gib erst ‘nen Kognak. Und dann ein’ Rum." Ede schenkte mit zitternder Hand ein. Geelhaars Hand aber war um so sicherer. Als er ein paar Gläser geleert hatte, ging er in den Garten und spazierte drin auf und ab, als ob nun alles sein wäre. Das ganze Grundstück erschien ihm wie herrenloser Besitz, drin man sich ungeniert ergehen könne. Die Jeschke, wie sich denken läßt, ließ auch nicht lang auf sich warten. Sie wußte schon alles und sah mal wieder über den Zaun. "Dag, Geelhaar." "Dag, Mutter Jeschke … Nu, was macht Line?" "De kümmt to Martini. Se brukt sich joa nu nich mihr to jrulen." "Vor Hradscheck?" lachte Geelhaar. 61
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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