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Unterm Birnbaum

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"Na, sieh dich vor damit. Das ist wie die Wasserpest; wo sich das mal eingenistet hat, ist kein Auskommen mehr. Und vertreibt dich am Ende von Haus und Hof." Alles lachte, bis man zuletz auf die Kunstreiter zu sprechen kam und an Hradscheck die Frage richtete, was er denn eigentlich von ihnen gesehen habe? "Bloß das Seil. Aber Ede, der heute nachmittag da war, der wird wohl Augen gemacht haben." Und  nun  erzählte  Hradscheck  des  breiteren,  daß  der,  dem  jetzt  die  Truppe  gehöre,  des  alten Kolter Schwiegersohn sei, ja, die Frau desselben nenne sich noch immer nach dem Vater und habe den Namen ihres Mannes gar nicht angenommen. Er  sagte  das  alles  so  hin,  wie  wenn  er  die  Kolters  ganz  genau  kenne,  was  den  Ölmüller  zu verschiedenen   Fragen   über   die   berühmte   Seiltänzerfamilie   veranlaßte.   Denn   Springer   und Kunstreiter  waren  Quaasens  unentwegte  Passion,  seit  er  als  zwanzigjähriger  Junge  mal  auf  dem Punkte gestanden hatte, mit einer Kunstreiterin auf und davon zu gehen. Seine Mutter jedoch hatte Wind davon gekriegt und ihn nicht bloß in den Milchkeller gesperrt, sondern auch den Direktor der Truppe gegen ein erhebliches Geldgeschenk veranlaßt, die "gefährliche Person" bis nach Reppen hin  vorauszuschiken.  All  das,  wie  sich  denken  läßt,  gab  auch  heute  wieder  Veranlassung  zu vielfachen  Neckereien  und  um  so  mehr,  als  Quaas  ohnehin  des  Vorzugs  genoß,  Stichblatt  der Tafelrunde zu sein. "Aber was is das mit Kolter?" fragte Kunicke. "Du wolltest von ihm erzählen, Hradscheck. Is es ein Reiter oder ein Springer?" "Bloß ein Springer. Aber was für einer!" Und nun fing Hradscheck an, eine seiner Hauptgeschichten zum besten zu geben, die vom alten Kolter nämlich, der Anno vierzehn schon sehr berühmt und mit in Wien auf dem Kongreß gewesen sei. "Was, was? Mit auf dem Kongreß?" "Versteht sich. Und warum nicht?" "Auf dem Kongreß also." "Und da habe denn", so fuhr Hradscheck fort, "der König von Preußen zum Kaiser von Rußland gesagt:  ›Höre,  Bruderherz,  was  du  von  deinem  Stiglischeck  auch  sagen  magst,  Kolter  ist  doch besser, Parole d’honneur, Kolter ist der erste Springer der Welt, und was ihm auch passieren mag, er wird sich immer zu helfen wissen.‹ Und als nun der Kaiser von Rußland das bestritten, da hätten sie gewettet, und wäre bloß die Bedingung gewesen,  daß nichts vorher gesagt werden solle. Das hätten  sie  denn  auch  gehalten.  Und  als  nun  Kolter  halb  schon  das  zwis chen  zwei  Türmen ausgespannte Seil hinter sich gehabt habe, da sei mit einem Male, von der anderen Seite her, ein anderer Seiltänzer auf ihn losgekommen, das sei Stiglischeck gewesen, und keine Minute mehr, da hätten sie sich gegenüber gestanden, und der Russe, was ihm auch keiner verdenken könne, habe bloß gesagt: ›Alles perdu, Bruder: du verloren, ich verloren.‹ Aber Kolter habe nur gelacht und ihm was ins Ohr geflüstert, einige sagen, einen frommen Spruch, andere aber sagen das Gegenteil, und sei dann mit großer Anstrengung und Geschicklichkeit zehn Schritte rückwärts gegangen, während der andere sich niedergehuckt habe. Und nun habe Kolter einen Anlauf genommen und sei mit eins, zwei, drei über den anderen weggesprungen. Da sei denn ein furchtbares Beifallklatschen gewesen, und einige hätten laut geweint und immer wieder und wieder gesagt, ›das sei mehr als Napoleon‹. Und der Kaiser von Rußland habe seine Wette verloren und auch wirklich bezahlt." "Wird er wohl, wird er wohl", sagte Kunicke. "Der Russe bezahlt immer. Hat’s ja … Bravo, Hradscheck; bravo!" So  war  Hradscheck  mit  Beifall  belohnt  worden  und  hatte  von  Viertelstunde  zu  Viertelstunde noch vieles andere zum besten gegeben, bis endlich um elf die Stammgäste das Haus verließen. Ede war schon zu Bett geschickt, und in dem weiten Hause herrschte Todesstille. Hradscheck schritt  auf  und  ab  in  seiner  Stube,  mußte  sich  aber  setzen,  denn  der  Aufregungen  dieses  Tages waren so viele gewesen, daß er sich, trotz fester Nerven, einer Ohnmacht nahe fühlte. Solang er drüben Geschichten erzählt hatte, munterer und heiterer, so wenigstens schien es, als je zuvor, war kein  Tropfen  Wein  über  seine  Lippen  gekommen,  jetzt  aber  nahm  er  Kognak  und  Wasser  und fühlte, wie Kraft und Entschlossenheit ihm rasch wiederkehrten. Er ging auf das Schubfach zu, drin 58
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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