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Unterm Birnbaum

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Ede  rieb  sich  den  Schlaf  aus  den  Augen,  nahm  Licht  und  Korb  und  hob  die  Falltür  auf,  die zwischen  den  übereinander  gepackten  Ölfässern,  und  zwar  an  der  einzig  frei  gebliebenen  Stelle, vom Flur her in den Keller führte. Nach ein paar Minuten war er wieder oben und klopfte vom Laden her an die Tür, zum Zeichen, daß alles da sei. "Gleich",  rief  der  wie  gewöhnlich  mitten  in  einem  Vortrage  steckende  Hradscheck,  "gleich", und trat erst, als er seinen Satz beendet hatte, von der Weinstube her in den Laden. Hier schob er sich eine schon vorher aus der Küche heranbeorderte Terrine bequem zurecht und griff nach dem Korkzieher, um die Flasche aufzuziehen. Als er aber den Burgunder in die Hand nahm, gab er dem Jungen, halb ärgerlich, halb gutmütig, einen Tipp auf die Schulter und sagte: "Bist ein Döskopp, Ede. Mit grünem Lack, hab ich dir gesagt. Und das ist gelber. Geh und hol ‘ne richtige Flasche. Wer’s nich im Kopp hat, muß es in den Beinen haben". Ede rührte sich nicht. "Nun, Junge, wird es? Mach flink." "Ick geih nich." "Du gehst nich? warum nich?" "Et spökt." "Wo?" "Unnen … Unnen in ‘n Keller." "Junge,  bist  du  verrückt?  Ich  glaube,  dir  steckt  schon  der  Mitternachtsgrusel  im  Leibe.  Rufe Jakob. Oder nein, der is schon zu Bett; rufe Male, die soll kommen und dich beschämen. Aber laß nur." Und dabei ging er selber bis an die Küchentüre und rief hinaus: " Male." Die Gerufene kam. "Geh in den Keller, Male." "Nei, Herr Hradscheck, ick geih nich." "Auch du nich. Warum nich?" "Et spökt." "Ins Dreideibels Namen, was soll der Unsinn?" Und er versuchte zu  lachen.  Aber  er  hielt  sich dabei nur mit Mühe auf den Beinen, denn ihn schwindelte. Zu gleicher Zeit empfand er deutlich, daß er kein Zeichen von Schwäche geben dürfe, vielmehr umgekehrt bemüht sein müsse, die Weigerung der beiden ins Komische zu ziehen, und so riß er denn die Tür zur Weinstube weit und rief hinein: "Eine Neuigkeit, Kunicke …" "Nu, was gibt’s?" "Unten  spukt  es.  Ede  will  nicht  mehr  in  den  Keller  und  Male  natürlich  auch  nicht.  Es  sieht schlecht aus mit unserer Bowle. Wer kommt mit? Wenn zwei kommen, spukt es nicht mehr." "Wir alle", schrie Kunicke. "Wir alle. Das gibt einen Hauptspaß. Aber Ede muß auch mit." Und  bei  diesen  Worten  eines  der  zur  Hand  stehenden  Lichter  nehmend,  zogen  sie  –  mit Ausnahme  von  Woytasch,  dem  das  Ganze  mißhagte  –  brabbelnd  und  plärrend  und  in  einer  Art Prozession, als ob einer begraben würde, von der Weinstube her durch Laden und Flur und stiegen langsam und immer einer nach dem anderen die Stufen der Kellertreppe hinunter. "Alle Wetter, is das ein Loch!" sagte Quaas, als er sich unten umguckte. "Hier kann einem ja gruslig  werden.  Nimm  nur  gleich  ein  paar  mehr  mit,  Hradscheck.  Das  hilft.  Je  mehr  Fidelité,  je weniger Spuk." Und bei solchem Gespräch, in das Hradscheck einstimmte, packten sie den Korb voll und stiegen die  Kellertreppe  wieder  hinauf.  Oben  aber  warf  Kunicke,  der  schon  stark  angeheitert  war,  die schwere Falltür zu, daß es durch das ganze Haus hin dröhnte. "So, nu sitzt er drin." "Wer?" "Na wer? Der Spuk." Alles lachte; das Trinken ging weiter, und Mitternacht war lange vorü ber, als man sich trennte. 54
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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