Title:

Unterm Birnbaum

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

Stocklaternen  und  Gesang:  "Ein  freies  Leben  führen  wir",  "Frisch  auf,  Kameraden",  "Lützows wilde  verwegene  Jagd"  und  "Steh  ich  in  finstrer  Mitternacht".  Infolge  welcher  ausgesprochenen Vorliebe sie sich in den Kopf gesetzt hatte, nur aufs Land hinaus heiraten zu wollen. Und darüber war sie dreißig Jahr alt geworden, alles bloß  aus Eigensinn und Widerspenstigkeit. Ihren Namen "Editha" aber hatte die Mutter in Dittchen abgekürzt. So  die  Bekanntschaft,  die  Hradscheck  während  seines  letzten  Berliner  Aufenthaltes  gemacht hatte. Mit Editha selbst war er so gut wie einig, und nur die Eltern hatten noch kleine Bedenken. Aber was bedeutete das? Der Vater war ohnehin daran gewöhnt, nicht gefragt zu werden, und die Mutter,  die  nur  wegen  der  neun  Meilen  Entfernung  noch  einigermaßen  schwankte,  wäre  keine richtige Mutter gewesen, wenn sie nicht schließlich auch hätte Sch wiegermutter sein wollen. Also Hradscheck war in bester Stimmung, und ein Ausdruck derselben war es, daß er diesmal mit  einem  besonders  großen  Vorrat  von  Berliner  Witzliteratur  nach  Tschechin  zurückkehrte, darunter  eine  komische  Romanze,  die  letzten  Sonntag  erst  vom  Hofschauspieler  Rüthling  im Konzertsaale  des  Königlichen  Schauspielhauses  vorgetragen  war  und  zwar  in  einer  Matinee,  der neben der ganzen haute volée von Berlin auch Hradscheck und Editha be igewohnt hatten. Diese Romanze     behandelte     die     berühmte     Geschichte     vom     Eckensteher,     der     einen     armen Apothekerlehrling, "weil das Räucherkerzchen partout nicht stehen wolle", Schlag Mitternacht aus dem  Schlaf  klingelte,  welche  Geschichte  damals  nicht  bloß  die  ganze  vornehme  Welt,  sondern besonders   auch   unseren   auf   alle   Berliner   Witze   ganz   wie   versessenen   Hradscheck   derart hingenommen hatte, daß er die Zeit, sie seinem Tschechiner Konvivium vorzulesen, kaum erwarten konnte. Nun aber war es so weit, und er feierte Triumphe, die fast noch größer waren, als er zu hoffen   gewagt   hatte.   Kunicke   brüllte   vor   Lachen   und   bot   den   dreifachen   Preis,   wenn   ihm Hradscheck  das  Büchelchen  ablassen  wolle.  "Das  müss’  er  seiner  Frau  vorlesen,  wenn  er  nach Hause komme, diese Nacht noch; so was sei noch gar nicht dagewesen." Und dann sagte Schulze Woytasch: "Ja, die Berliner! Ich weiß nicht! Und wenn mir einer tausend Taler gäbe, so was könnt ich nich machen. Es sind doch verflixte Kerls." Die "Romanze vom Eckensteher" indes, so glänzend ihr Vortrag abgelaufen war, war doch nur Vorspiel und Plänkelei gewesen, darin Hradscheck sein bestes Pulver noch nicht verschossen hatte. Sein Bestes oder doch das, was er persönlich dafür hielt, kam erst nach und war die Geschichte von einem  der  politischen  Polizei  zugeteilten  Gendarmen,  der  einen  unter  Verdacht  des  Hochverrats stehenden  und  in  der  Kurstraße  wohnenden  badischen  Studenten,  namens  Haitzinger,  ausfindig machen sollte, was ihm auch gelang, und einige Zeit danach zu der amtlichen Meldung führte, daß er den pp. Haitzinger, der übrigens Blümchen heiße, gefunden habe, trotzdem derselbe nicht in der Kurstraße,  sondern  auf  dem  Spittelmarkt  wohnhaft  und  nicht  badischer  Student,  sondern  ein sächsischer   Leineweber   sei.   "Und   nun,   ihr   Herren   und   Freunde",    schloß   Hradscheck   seine Geschichte,  "dieser  ausbündig  gescheite  Gendarm,  wie  hieß  er?  Natürlich  Geelhaar,  nicht  wahr? Aber  nein,  ihr  Herren,  fehlgeschossen,  er  hieß  bloß  Müller  II.  Ich  habe  mich  genau  danach erkundigt,  sonst  hätt  ich  bis  an  mein  Lebensende  geschworen,  daß  er  Geelhaar  geheißen  haben müsse." Kunicke schüttelte sich und wollte von keinem anderen Namen als Geelhaar wissen, und als man sich   endlich   ausgetobt   und   ausgejubelt   hatte   (nur   Woytasch,   als   Dorfobrigkeit,   sah   etwas mißbilligend  drein),  sagte  Quaas:  "Kinder,  so  was  haben  wir  nicht  alle  Tage,  denn  Hradscheck kommt nicht alle Tage von Berlin. Ich denke deshalb, wir machen noch eine Bowle: drei Mosel, eine Rheinwein, eine Burgunder. Und nicht zu süß. Sonst haben wir morgen Kopfweh. Es ist erst halb zwölf, fehlen noch fünf Minuten. Und wenn wir uns ‘ran halten, machen wir um Mitternacht die Nagelprobe." "Bravo!" stimmte man ein. "Aber nicht zu früh; Mitternacht ist zu früh." Und  Hradscheck  erhob  sich,  um  Ede,  der  verschlafen  im  Laden  auf  einem  vorgezogenen Zuckerkasten saß, in den Keller zu schicken und die fünf Flaschen heraufholen zu lassen. "Und paß auf Ede; der Burgunder liegt durcheinander, roter und weißer, der mit dem grünen Lack ist es." 53
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum