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Unterm Birnbaum

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ZWEITES KAPITEL Eine  Woche  war  seit  jenem  Tage  vergangen,  aber  das  Spielglück,  das  sich  bei  Hradscheck einstellen sollte, blieb aus und das Lottoglück auch. Trotz alledem gab er das Warten nicht auf, und da gerade Lotterieziehzeit war, kam das Viertellos gar nicht mehr von seinem Pult. Es stand hier auf einem  Ständerchen,  ganz  nach  Art  eines  Fetisch,  zu  dem  er  nicht  müde  wurde  respektvoll  und beinah  mit  Andacht aufzublicken.  Alle  Morgen  sah er in der Zeitung die Gewinnummern durch, aber die seine fand er nicht, trotzdem sie unter ihren fünf Zahlen drei Sieben hatte und mit sieben dividiert glatt aufging. Seine Frau, die wohl wahrnahm, daß er litt, sprach ihm nach ihrer Art zu, nüchtern,  aber  nicht  unfreundlich,  und  drang  in  ihn,  "daß  er  den  Lotteriezettel  wenigstens  vom Ständer  herunternehmen  möge,  das  verdrösse  den  Himmel  nur,  und  wer  dergleichen  täte,  kriege statt Rettung und Hilfe den Teufel und seine Sippschaft ins Haus. Das Los müsse weg. Wenn er wirklich  beten  wolle,  so  habe  sie  was  Besseres  für  ihn,  ein  Marienbild,  das  der  Bischof  von Hildesheim geweiht und ihr bei der Firmelung geschenkt habe." Davon wollte nun aber der beständig zwischen Aber- und Unglauben hin und her schwankende Hradscheck nichts wissen. "Geh mir doch mit dem Bild, Ursel. Und wenn ich auch wollte, denke nur,  welche  Bescherung  ich  hätte,  wenn’s  einer  merkte.  Die  Bauern  würden  lachen  von  einem Dorfende  bis  ans  andere,  selbst  Orth  und  Igel,  die  sonst  keine  Miene  ver ziehen.  Und  mit  der Pastorfreundschaft wär’s auch vorbei. Daß er zu dir hält, ist doch bloß, weil er dir den katholischen Unsinn ausgetrieben und einen Platz im Himmel, ja vielleicht an seiner Seite, gewonnen hat. Denn mit meinem Anspruch auf Himmel ist’s nicht weit her." Und  so  blieb  denn  das  Los  auf  dem  Ständer,  und  erst  als  die  Ziehung  vorüber  war,  zerriß  es Hradscheck  und  streute  die  Schnitzel  in  den  Wind.  Er  war  aber  auch  jetzt  noch,  all  seinem spöttischüberlegenen Gerede zum Trotz, so schwach und abergläubisch, daß er den Schnitzeln in ihrem Fluge nachsah, und als er wahrnahm, daß einige die Straße hinauf bis an die Kirche geweht wurden  und  dort  erst  niederfielen,  war  er  in  seinem  Gemüte  beruhigt  und  sagte:  "Das  bringt Glück." Zugleich hing er wieder allerlei Gedanken und Vorstellungen nach, wie sie seiner Phantasie jetzt häufiger   kamen.   Aber   er   hatte   noch   Kraft   genug,   das   Netz,   das   ihm   diese   Gedanken   und Vorstellungen überwerfen wollten, wieder zu zerreißen. "Es geht nicht." Und  als  im  selben  Augenblick  das  Bild  des  Reisenden,  dessen  Anmeldung  er  jetzt  täglich erwarten mußte, vor seine Seele trat, trat er erschreckt zurück und wiederholte nur so vor sich hin: "Es geht nicht." So war Mitte Oktober herangekommen. Im  Laden  gab’s  viel  zu  tun,  aber  mitunter  war  doch  ruhige  Zeit,  und  dann  ging  Hradscheck abwechselnd   in   den   Hof,   um   Holz   zu   spellen,   oder   in   den   Garten,   um   eine   gute   Sorte Tischkartoffeln aus der Erde zu nehmen. Denn er war ein Feinschmecker. Als aber die Kartoffeln heraus   waren,   fing   er   an,   den   schmalen   Streifen   Land,   darauf   sie   gestanden,   umzugraben. Überhaupt wurde Graben und Gartenarbeit mehr und mehr seine Lust, und die mit dem Spaten in der Hand verbrachten Stunden waren eigentlich seine glücklichsten. Und  so  beim  Graben  war  er  auch  heute  wieder,  als  die  Jeschke,  wie  gewöhnlich,  an  die  die beiden Gärten verbindende Heckentür kam und ihm zusah, trotzdem es noch früh am Tage war. "De Tüffeln sinn joa nu rut, Hradscheck." "Ja, Mutter Jeschke, seit vorgestern. Und war diesmal ‘ne wahre Freude; mitunter zwanzig an einem Busch und alle groß und gesund." "Joa, joa, wenn een’s Glück hebben sall. Na, Se hebben’t Hradscheck. Se hebben Glück bi de Tüffeln un bi de Malvesieren ook. J, Se möten joa woll ‘n Scheffel ‘runnergepflückt hebb’n." "O mehr, Mutter Jeschke, viel mehr." 5
  
The Oxford Companion to German Literature
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Oxford Jahreskalender 2011 Office Wochenkalender A6 farbig Dunkelblau
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Oxford 357001801 - Organiserbook A4+/80 kariert/gelocht ECF
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