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Aber das Wohlbefinden, so rasch es gekommen, so rasch ging es auch wieder, und ehe noch das Erntefest heran war, waren die Kräfte schon so geschwunden, daß die Kranke die Treppe kaum noch hinunter konnte. Sie blieb deshalb oben, sah auf den Hof und machte sich, um doch etwas zu tun, mit der Neueinrichtung sämtlicher Oberzimmer zu schaffen. Nur die Giebelstube, nach der Kegelbahn hin, vermied sie. Hradscheck, der noch immer an die Möglichkeit einer Wiederherstellung gedacht hatte, sah jetzt auch, wies stand, und als der heimlich zu Rate gezogene Doktor Oelze von Abzehrung und Nervenschwindsucht gesprochen, machte sich Hradscheck auf ihr Hinscheiden gefaßt. Daß er darauf gewartet hätte, konnte nicht wohl gesagt werden; im Gegenteil, er blieb seiner alten Neigung treu, war überaus rücksichtsvoll und klagte nie, daß ihm die Frau fehle. Er wollt auch von keiner andern Hilfe wissen und ordnete selber alles an, was in der Wirtschaft zu tun nötig war. Vieles tat er selbst. "Is doch ein Mordskerl", sagte Kunicke. "Was er will, kann er. Ich glaub, er kann auch einen Hasen abziehen und Sülze kochen." An dem Abend, wo Kunicke so gesprochen, hatte die Sitzung in der Weinstube wieder ziemlich lange gedauert, und Hradscheck war noch keine halbe Stunde zu Bett, als Male, die jetzt oben bei der Kranken schlief, treppab kam und an seine Tür klopfte. "Herr Hradscheck, steihns upp. De Fru schickt mi. Se sülln ruppkoamen." Und nun saß er oben an ihrem Bett und sagte: "Soll ich nach Küstrin schicken, Ursel? Soll Oelze kommen? Der Weg ist gut. In drei Stunden ist er hier." "In drei Stunden
" "Oder soll Eccelius kommen?" "Nein", sagte sie, während sie sich mühevoll aufrichtete, "es geht nicht. Wenn ich es nehme, so sag ich es." Er schüttelte verdrießlich den Kopf. "Und sag ich es nicht, so ess ich mir selber das Gericht." Ach", laß doch das, Ursel. Was soll das? Daran denkt ja keiner. Und ich am wenigsten. Er soll bloß kommen und mit dir sprechen. Er meint es gut mit dir und kann dir einen Spruch sagen." Es war, als ob sie sichs überlege. Mit einem Male aber sagte sie: "Selig sind die Friedfertigen; selig sind die reines Herzens sind; selig sind die Sanftmütigen. All die kommen in Abrahams Schoß. Aber wohin kommen wir?" "Ich bitte dich, Ursel, sprich nicht so. Frage nicht so. Und wozu? Du bist noch nicht soweit, noch lange nicht. Es geht alles wieder vorüber. Du lebst und wirst wieder eine gesunde Frau werden." Es klang aber alles nur an ihr hin, und Gedanken nachhängend, die schon über den Tod hinausgingen, sagte sie: "Verschlossen
Und was aufschließt, das ist der Glaube. Den hab ich nicht
Aber is noch ein andres, das aufschließt, das sind die guten Werke
Hörst du. Du mußt ohne Namen nach Krakau schreiben, an den Bischof oder an seinen Vikar. Und mußt bitten, daß sie Seelenmessen lesen lassen
Nicht für mich. Aber du weißt schon
Und laß den Brief in Frankfurt aufgeben. Hier geht es nicht und auch nicht in Küstrin. Ich habe mirs abgespart dies letzte halbe Jahr, und du findest es eingewickelt in meinem Wäscheschrank unter dem Damast- Tischtuch. Ja, Hradscheck, das war es, wenn du dachtest, ich sei geizig geworden. Willst du?" "Freilich will ich. Aber es wird Nachfrage geben." "Nein. Das verstehst du nicht. Das ist Geheimnis. Und sie gönnen einer armen Seele die Ruh!" "Ach, Ursel, du sprichst so viel von Ruh und bangst dich und ängstigst dich, ob du sie finden wirst. Weißt du, was ich denke?" "Nein." "Ich denke, leben ist leben, und tot ist tot. Und wir sind Erde, und Erde wird wieder Erde. Das andere haben die Pfaffen sich ausgedacht. Spiegelfechterei sag ich, weiter nichts. Glaube mir, die Toten haben Ruhe." "Weißt du das so gewiß, Abel?" Er nickte. "Nun, ich sage dir, die Toten stehen wieder auf
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