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Unterm Birnbaum

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gleich zu tun, so war sie jetzt sparsam bis zum Geiz. Hradscheck ließ sie gewähren, und nur einmal, als  sie  gerade  beim  Schotenpalen  war,  nahm  er  sich  ein  Herz  und  sagte:  "Was  ist  das  nur  jetzt, Ursel? Du ringst dir ja jeden Dreier von der Seele." Sie schwieg, drehte die Schüssel hin und her und palte weiter. Als er aber stehen blieb und auf Antwort zu warten schien, sagte sie, während sie die Schüssel rasch und heftig beiseite setzte: "Soll es alles umsonst gewesen sein? Oder willst du …" Weiter  kam  sie  nicht.  Ein  Herzkrampf,  daran  sie  jetzt  häufiger  litt,  überfiel  sie  wieder,  und Hradscheck sprang zu, um ihr zu helfen. Ihre  Wirtschaft  besorgte  sie  pünktlich,  und  alles  ging  am  Schnürchen  wie  vordem.  Aber Interesse hatte sie nur für eins, und das eine war der Bau. Sie wollt ihn, darin Hradschecks Eifer noch übertreffend, in möglichster Schnelle beendet sehen, und so sparsam sie sonst geworden war, so  war  sie  doch  gegen  keine  Mehrausgabe,  die  Beschleunigung  und  rascheres  Zustandekommen versprach. Einmal sagte sie: "Wenn ich nur erst oben bin. Oben werd ich auch wieder Schlaf haben. Und wenn ich erst wieder schlafe, werd ich auch wieder gesund werden." Er wollte sie beruhigen und strich ihr mit der Hand über Stirn und Haar. Aber sie wich seiner Zärtlichkeit aus und kam in ein heftiges Zittern. Überhaupt war es jetzt öfter so, wie wenn sie sich vor ihm fürchte. Mal sagte sie leise: "Wenn er nur nicht so glatt und glau wär. Er ist so munter und spricht so viel und kann alles. Ihn ficht nichts an … Und die drüben in Neu-Lewin war auch mit einem Male weg." Solche Stimmungen kamen ihr von Zeit zu Zeit, aber sie waren flüchtig und vergingen wieder.   Und nun waren die letzten Augusttage. "Morgen, Ursel, ist alles fertig." Und wirklich, als der andere Tag da war, bot  ihr Hradscheck mit einer gewissen freundlichen Feierlichkeit den Arm, um sie treppauf in eine der neuen Stuben zu führen. Es war die, die nach der Kegelbahn hinauslag, jetzt die hübscheste, hellblau tapeziert und an der Decke gemalt: ein Kranz von   Blüten   und   Früchten,   um   den   Tauben   flogen   und   pickten.   Auch   das   Bett   war   schon heraufgeschafft und stand an der Mittelwand, genau da, wo früher die Bettwand der alten Giebel- und Logierstube gewesen war. Hradschck erwartete Dank und gute Worte zu hören. Aber die Kranke sagte nur: "Hier? Hier, Abel?" "Es sind neue Steine", stotterte Hradscheck. Ursel indes war schon von der Türschwelle wieder zurückgetreten und ging den Gang entlang, nach  der  anderen  Giebelseite  hinüber,  wo  sich  ein  gleich  großes,  auf  den  Hof  hinaussehendes Zimmer befand. Sie trat an das Fenster und öffnete; Küchenrauch, mehr anheimelnd als störend, kam ihr von der Seite her entgegen, und eine Henne mit ihren Küchelchen zog unten vorüber; Jakob aber, der holzsägend in Front einer offenen Remise stand, neckte sich mit Male, die beim Brunnen Wäsche spülte. "Hier will ich bleiben." Und Hradscheck, der durch den Auftritt mehr erschüttert als verdrossen war, war einverstanden und  ließ  alles,  was  sich  von  Einrichtungsgegenständen  in  der  hellblau  tapezierten  und  für  Ursel bestimmten Stube befand, nach der anderen Seite hinüberbringen. Und siehe da, Frau Hradscheck erholte sich wirklich und sogar rascher, als sie selbst zu hoffen gewagt  hatte.  Schlaf  kam,  der  scharfe  Zug  um  ihren  Mund  wich,  und  als  die  schon  erwähnten Manövertage mit ihrer Dragonereinquartierung kamen, hatte sich ihr Aussehen und ihre Stimmung derart verbessert, daß sie gelegentlich die Wirtin machen und mit den Offizieren plaudern konnte. Das  Hagere,  Hektische  gab  ihr,  bei  der  guten  Toilette,  die  sie  zu  machen  verstand,  etwas Distinguiertes, und ein alter Eskadronchef, der sie mit erstaunlicher Ritterlichkeit umcourte, sagte, wenn  er  ihr  beim  Frühstück  nachsah  und  mit  beiden  Händen  den  langen,  blonden  Schnurrbart drehte:   "Famoses   Weib.   Auf   Ehre.   Wie   die   nur   hierherkommt?"   Und   dann   gab   er   seiner Bewunderung  auch  Hradscheck  gegenüber  Ausdruck.  Worauf  dieser  nicht  wenig  geschmeichelt antwortete: "Ja, Herr Rittmeister, Glück muß der Mensch haben! Mancher kriegt’s im Schlaf." Und dann lachte der Eskadronchef und stieß mit ihm an. Das alles war Mitte September. 44
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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