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Unterm Birnbaum

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getreten. In dieser guten Laune war und blieb er auch, und nur ein einziger Tag war gewesen, der ihm dieselbe gestört hatte. "Was  meinen  Sie,  Buggenhagen",  hatte  Hradscheck  eines  Tages  gesagt,  als  er  eine  aus  dem Keller  heraufgeholte  Flasche  mit  Portwein  aufzog.  "Was  meinen  Sie,  ließe  sich  nicht  der  Keller etwas höher wölben? Natürlich nicht der ganze Keller. Um Gottes willen nicht, da blieb am Ende kein Stein auf dem andren, und Laden und Wein- und Wohnstube, kurzum alles müßte verändert und auf einen andren Leisten gebracht werden. Das geht nicht. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn wir das Mittelstück, das gerade unter dem Flur hinläuft, etwas höher legen könnten. Ob die Diele dadurch um zwei Fuß niedriger wird, ist ziemlich gleichgültig; denn die Fässer, die da liegen, haben immer noch Spielraum genug, auch nach oben hin, und stoßen nicht gleich an die Decke."   Buggenhagen widersprach nie, teils aus Klugheit, teils aus Gleichgültigkeit, und das einzige, was er sich dann und wann erlaubte, waren halbe Vorschläge, hinsichtlich deren es ihm gleich war, ob sie  gutgeheißen  oder  verworfen  wurden.  Und  so  verfuhr  er  auch  diesmal  wieder  und  sagte: "Versteht sich, Hradscheck. Es geht. Warum soll es nicht gehn? Es geht alles. Und der Keller ist auch wirklich nicht hoch genug, ich glaube keine fünftehalb Fuß, und die Fenster viel zu klein und zu niedrig; alles wird stockig und multrig. Muß also gemacht werden. Aber warum gleich wölben? Warum nicht lieber ausschachten? Wenn wir zehn  Fuhren Erde ‘raus nehmen, haben wir überall fünf  Fuß  im  ganzen  Keller,  und  kein  Mensch  stößt  sich  mehr  die  kahle  Platte.  Nach  oben  hin wölben macht bloß Kosten und Umstände. Wir können ebensogut nach unten gehn." Hradscheck, als Buggenhagen so sprach, hatte die Farbe gewechselt und sich momentan gefragt, "ob das alles vielleicht was zu bedeuten habe?" Bald aber von des Sprechenden Unbefangenheit überzeugt, war ihm seine Ruhe zurückgekehrt. "Wenn  ich  mir’s  recht  überlege,  Buggenhagen,  so  lassen  wir’s.  Wir  müssen  auch  an  das Grundwasser denken. Und ist es so lange so gegangen, so kann’s auch noch weiter so gehen. Und am Ende, wer kommt denn in den Keller? Ede. Und der hat noch lange keine fünf Fuß." Das war einige Zeit vor Beginn der Manöver gewesen, und wenn es ein paar Tage lang ärgerlich und  verstimmend  nachgewirkt  hatte,  so  verschwand  es  rasch  wieder,  als  Anfang  September  die Truppenmärsche  begannen  und  die  Schwedter  Dragoner  als  Einquartierung  ins  Dorf  kamen.  Das Haus voller Gäste zu haben, war überhaupt Hradschecks Vergnügen, und der liebste Besuch waren ihm Rittmeister und Leutnants, die nicht nur ihre Flasche tranken, sondern auch allerlei wußten und den  Mund  auf  dem  rechten  Fleck  hatten.  Einige  verschworen  sich,  daß  ein  Krieg  ganz  nahe  sei. Kaiser Nikolaus, Gott sei Dank, sei höchst unzufrieden mit der neuen französischen Wirtschaft, und der unsichere Passagier, der Louis Philipp, der doch eigentlich bloß ein Waschlappen und ein halber Kretin   sei,   solle   mit   seiner   Konstitution   wieder   beiseite   geschoben   und   statt   seiner   eine bourbonische   Regentschaft   eingesetzt   oder   vielleicht   auch   der   vertriebene   Karl   X.   wieder zurückgeholt werden, was eigentlich das beste sei. Kaiser Nikolaus habe recht, überhaupt immer recht. Konstitution sei Unsinn und das ganze Bürgerkönigtum die reine Phrasendrescherei. Wenn so das Gespräch ging, ging unserem Hradscheck das Herz auf, trotzdem er eigentlich für Freiheit  und  Revolution  war.  Wenn  es  aber  Revolution  nicht  sein  konnte,  so  war  er  auch  für Tyrannei. Bloß gepfeffert mußte sie sein. Aufregung, Blut, Totschießen, – wer ihm das leistete, war sein Freund, und so kam es, daß er über Louis Philipp mit zu Gericht saß, als ob er die hyperloyale Gesinnung seiner Gäste geteilt hätte. Nur von Ede sah er sich noch übertroffen, und wenn dieser durch die Weinstube ging und ein neues Beefsteak oder eine neue Flasche brachte, so lag allemal ein dümmliches Lachen auf seinem Gesicht, wie wenn er sagen wollte: "Recht so, ‘runter mit ihm; alles  muß  um  einen  Kopf  kürzer  gemacht  werden."  Ein  paar  blutjunge  Leutnants,  die  diese komische Raserei wahrnahmen, amüsierten sich herzlich über ihn und ließen ihn mittrinken, was alsbald  dahin  führte,  daß  der  für  gewöhnlich  so  schüchterne  Junge  ganz  aus  seiner  Reserve heraustrat und sich gelegentlich selbst mit dem sonst so gefürchteten Hradscheck auf einen halben Unterhaltungsfuß stellte. "Da, Herr", rief er eines Tages, als er gerade mit einem Korbe voll Flaschen wieder aus dem Keller herauf kam." Da, Herr; das hab ich eben unten gefunden." Und damit schob er Hradscheck 40
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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