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Unterm Birnbaum

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dir sagen, wenn du spielen willst, so spiele wenigstens glücklich. Aber ein Wirt, der nicht glücklich spielt, muß davon bleiben; sonst spielt er sich von Haus und Hof. Und dazu das Trinken, immer der schwere Ungar, bis in die Nacht hinein." Er antwortete nicht, und erst nach einer Weile nahm er den Kranz, der über der Stuhllehne hing und sagte: "Hübsch. Alles, was du machst, hat Schick. Ach, Ursel, ich wollte, du hättest bessere Tage." Dabei trat er freundlich an sie heran und streichelte sie mit seiner weißen, fleischigen Hand. Sie ließ ihn auch gewähren, und als sie, wie beschwichtigt durch seine Liebkosungen, von ihrer Arbeit aufsah, sah man, daß es ihrer Zeit eine sehr schöne Frau gewesen sein mußte; ja, sie war es beinah noch. Aber man sah auch, daß sie viel erlebt hatte. Glück und Unglück, Lieb’ und Leid, und durch  allerlei  schwere  Schulen  gegangen  war.  Er  und  sie  machten  ein  hübsches  Paar  und  waren gleichaltrig,  Anfang  vierzig,  und  ihre  Sprech-  und  Verkehrsweise  ließ  erkennen,  daß  es  eine Neigung gewesen sein mußte, was sie vor länger oder kürzer zusammengeführt hatte. Der herbe Zug, den sie bei Beginn des Gesprächs gezeigt, wich denn auch mehr und mehr, und endlich fragte sie: "Wo drückt es wieder? Eben hast du den Raps weggeschickt, und wenn Leist das Öl hat, hast du das Geld. Er ist prompt auf die Minute." "Ja, das ist er. Aber ich habe nichts davon, alles ist bloß Abschlag und Zins. Ich stecke tief drin und leider am tiefsten bei Leist selbst. Und dann kommt die Krakauer Geschichte, der Reisende von Olszewski-Goldschmidt und Sohn. Er kann jeden Tag da sein." Hradscheck  zählte  noch  anderes  auf,  aber ohne  daß es einen tieferen Eindruck auf seine Frau gemacht  hätte.  Vielmehr  sagte  sie  langsam  und  mit  gedehnter  Stimme:  "Ja,  Würfelspiel  und Vogelstellen …" "Ach,  immer  Spiel  und  wieder  Spiel!  Glaube  mir,  Ursel,  es  ist  nicht  so  schlimm  damit,  und jedenfalls  mach  ich  mir  nichts  draus.  Und  am  wenigsten  aus  dem  Lotto;  ‘s  ist  alles  Torheit  und weggeworfen Geld, ich weiß es, und doch hab ich wieder ein Los genommen. Und warum? Weil ich heraus will, weil ich heraus muß, weil ich uns retten möchte." "So, so", sagte sie, während sie mechanisch an dem Kranze weiterflocht und vor sich hinsah, als überlege sie, was wohl zu tun sei. "Soll ich dich auf den Kirchhof begleiten", fragte er, als ihn ihr Schweigen zu bedrücken anfing. "Ich tu’s gern, Ursel." Sie schüttelte den Kopf. "Warum nicht?" "Weil, wer den Toten einen Kranz bringen will, wenigstens an sie gedacht h aben muß." Und damit erhob sie sich und verließ das Haus, um nach dem Kirchhof zu gehen. Hradscheck  sah  ihr  nach,  die  Dorfstraße  hinauf,  auf  deren  roten  Dächern  die  Herbstsonne flimmerte. Dann trat er wieder an sein Pult und blätterte. 4
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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