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Unterm Birnbaum

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einer schon so lang in der Erde gelegen habe, dann sei’s eigentlich gleich, ob er den gereinigten Glauben  gehabt  habe  oder  nicht."  Eccelius  hatte  dieser  echt  Kunickesc hen  Rede,  wenn  auch selbstverständlich  unter  Lächeln,  zugestimmt,  und  die  Sache  war  schon  als  angenommen  und erledigt betrachtet worden, als sich Hradscheck noch im letzten Augenblick zum Worte gemeldet hatte. "Wenn der Herr Prediger das Begräbnis auf dem Kirchhofe, der, als ein richtiger christlicher Gottesacker, jedem Christen, evangelisch oder katholisch, etwas durchaus Heiliges sein müsse, für angemessen  oder  gar  für  pflichtmäßig  halte,  so  könne  es  ihm  nicht  einfallen,  ein  Wort  dagegen sagen zu wollen; wenn es aber nicht ganz so liege, mit andern Worten, wenn ein Begräbnis daselbst nicht  absolut  pflichtmäßig  sei,  so  spräch  er  hiermit  den  Wunsch  aus,  den  Franzosen  in  seinem Garten behalten zu dürfen. Der Franzose sei sozusagen sein Schutzpatron geworden, und kein Tag ginge  hin,  ohne  daß  er  desselben  in  Dankbarkeit  und  Liebe  gedenke.  Das  sei  das,  was  er  nicht umhin gekonnt habe hier auszusprechen, und er setze nur noch hinzu, daß er, gewünschten Falls, die Stelle mit einem Gitter versehen oder mit einem Buchsbaum umziehen wolle." Die ganze Rede hatte Hradscheck mit bewegter und die Dankbarkeitsstelle sogar mit zitternder Stimme gesprochen, was eine große Wirkung auf die Bauern gemacht hatte. "Bist  ein  braver  Kerl",  hatte  der,  wie  alle  Frühstücker,  leicht  zum  Weinen  geneigte  Kunicke gesagt und eine Viertelstunde später, als er Woytasch und Eccelius bis vor das Pfarrhaus begleitete, mit Nachdruck hinzugesetzt: "Un wenn’s noch ein Russe wär! Aber das is ihm alles eins, Russ’ oder  Franzos.  Der  Franzos  hat  ihm  geholfen,  und  nu  hilft  er  ihm  wieder  und  läßt  ihn  eingittern. Oder  doch  wenigstens  eine  Rabatte  ziehen.  Und  wenn  es  ein  Gitter  wird,  so  hat  er’s  nicht  unter zwanzig Taler. Und da rechne ich noch keinen Anstrich und keine Vergoldu ng." Das alles war Mitte März gewesen, und vier Wochen später, als die Schwalben zum ersten Male wieder  durch  die  Dorfgasse  hinschossen,  um  sich  anzumelden  und  zugleich  Umschau  nach  den alten  Menschen  und  Plätzen  zu  halten,  hatte  Hradscheck  ein  Zwiegesprä ch  mit  Zimmermeister Buggenhagen, dem er bei der Gelegenheit eine Planzeichnung vorlegte. "Sehen Sie, Buggenhagen, das Haus ist überall zu klein, überall ist angebaut und angeklebt, die Küche dicht neben dem Laden, und für die Fremden ist nichts da, wie die zwei Giebelstuben oben. Das  ist  zu  wenig,  ich  will  also  ein  Stock  aufsetzen.  Was  meinen  Sie?  Wird  der  Unterbau  ein Stockwerk aushalten?" "Was wird er nicht!" sagte Buggenhagen. "Natürlich Fachwerk!" "Natürlich Fachwerk!" wiederholte Hradscheck. "Auch schon der Kosten wegen. Alle Welt tut jetzt  immer,  als  ob  meine  Frau  zum  mindesten  ein  Rittergut  geerbt  hätte.  Ja,  hat  sich  was  mit Rittergut. Erbärmliche tausend Taler." "Na, na." "Nun, sagen wir zwei", lachte Hradscheck. "Aber mehr nicht, auf Ehre. Und daß davon keine Seide zu spinnen ist, das wissen Sie. Keine Seide zu spinnen und auch keine Paläste zu bauen. Also so billig wie möglich, Buggenhagen. Ich denke, wir nehmen Lehm als Füllung. Stein ist zu schwer und zu teuer, und was wir dadurch sparen, das lassen wir der Einrichtung zugute kommen. Ein paar Öfen mit weißen Kacheln, nicht wahr? Ich habe schon an Feilner geschrieben und angefragt. Und natürlich alles Tapete! Sieht immer nach was aus und kann die Welt nicht kosten. Ich denke, weiße; das ist am saubersten und zugleich das Billigste." Buggenhagen hatte zugestimmt und gleich nach Ostern mit dem Umbau begonnen. Und  nicht  allzulange,  das  Wetter  hatte  den  Bau  begünstigt,  so  war  das  Haus,  das  nun  einen aufgesetzten Stock hatte, wieder unter Dach. Aber es war das alte Dach, die nämlichen alten Steine, denn Hradscheck wurde nicht müde, Sparsamkeit zu fordern und immer wieder zu betonen, "daß er nach wie vor ein armer Mann sei." Vier Wochen später standen auch die Feilnerschen Öfen, und nur hinsichtlich der Tapete waren andere Beschlüsse gefaßt und statt der weißen ein paar buntfarb ige gewählt worden. Anfangs, solange das Dachabdecken dauerte, hatte Hradscheck in augenscheinlicher Nervosität immer zur Eile angetrieben, und erst als die rechts nach der Kegelbahn hin gelegene Giebelwand eingerissen und statt der Stuben oben nur noch das Balken- und Sparrenwerk sichtbar war, hatte sich seine Hast und Unruhe gelegt und Aufgeräumtheit und gute Laune waren an Stelle derselben 39
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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