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Unterm Birnbaum

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ZWÖLFTES KAPITEL Eine  Woche  war  vergangen,  in  der  die  Tschechiner  viel  erlebt  hatten.  Das  Wichtigste  war: Hradscheck,  nachdem  er  noch  ein  Küstriner  Schlußverhör  durchgemacht  hatte,  war  wieder  da. Schlicht  und  unbefangen,  ohne  Lücken  und  Widersprüche,  waren  die  Dunkelheiten  aufgeklärt worden, so daß an seiner Unschuld nicht länger zu zweifeln war. Es seien ihm, so hieß es in seiner vor  Vowinkel  gemachten  Aussage,  durch  Unachtsamkeit,  deren  er  sich  selber  zu  zeihen  habe, mehrere große Speckseiten verdorben, und diese möglichst unbemerkt im Garten zu vergraben, hab er an jenem Tage vorgehabt. Er sei denn auch, gleich nachdem seine Gäste die Weinstube verlassen hätten, ans Werk gegangen und habe, genau so wie’s die Jeschke gesehen und erzählt, an dem alten Birnbaum ein Loch zu graben versucht; als er aber erkannt habe, daß da was verscharrt liege, ja, dem Anscheine nach ein Toter, hab ihn eine furchtbare Angst gepackt, infolge deren er nicht weiter gegraben, sondern das Loch rasch wieder zugeschüttet habe. Der Koffer, den die Jeschke gesehen haben  wolle,  das  seien  eben  jene  Speckseiten  gewesen,  die  dicht  übere inandergepackt  an  der Gartentür  gelegen  hätten.  "Aber  wozu  die  Heimlichkeit  und  die  Nacht?"  hatte  Vowinkel  nach dieser  Erklärung  etwas  spitz  gefragt,  worauf  Hradscheck,  in  seiner  Erzählung  fortfahrend,  ohne Verlegenheit  und  Unruhe  geantwortet  hatte:  "Zu  dieser  Heimlichkeit  seien  für  ihn  zwei  Gründe gewesen.  Erstens  habe  er  sich  die  Vorwürfe  seiner  Frau,  die  nur  zu  geneigt  sei,  von  seiner Unachtsamkeit in Geschäftsdingen zu sprechen, ersparen wollen. Und er dürfe wohl hinzusetzen, wer verheiratet sei, der kenne das und wisse nur zu gut, wie gerne man sich solcher Anklagen und Streitszenen  entziehe.  Der  zweite  Grund  aber  sei  noch  wichtiger  gewesen:  die  Rücksicht  auf  die Kundschaft.  Die  Bauern,  wie  der  Herr  Justizrat  ja  wisse,  seien  die  schwierigsten  Leute  von  der Welt, ewig voll Mißtrauen, und wenn sie derlei Dinge, wie Schinken und Speck, auch freilich nicht in seinem Laden zu kaufen pflegten, weil sie ja genug davon im eigenen Rauch hätten, so zögen sie doch gleich Schlüsse vom einen aufs andere. Dergleichen hab er mehr als einmal durchgemacht und dann wochenlang aller Ecken und Enden hören müssen, er passe nicht auf. Ja, noch letzten Herbst, als ihm ganz ohne seine Schuld eine Tonne Heringe tranig geworden sei, habe Scheidigel überall im Dorfe  geputscht  und  unter  anderem  zu  Quaas  und  Kunicke  gesagt:  "Uns  wird  er  damit  nicht kommen; aber die kleinen Leute, die, die …" Der Justizrat hatte hierbei gelächelt und zustimmend genickt, weil er die Bauern fast so gut wie Hradscheck kannte, so daß nach Erledigung auch dieses Punktes eigentlich nichts übrig geblieben war   als   die   Frage:   "was   denn   nun,   unter   so   bewandten   Umständen,   aus   dem   durchaus   zu beseitigenden Speck geworden sei?" Welche Frage jedoch nur dazu beigetragen hatte, Hradschecks Unschuld vollends ins Licht zu stellen. "Er habe die Speckseiten an demselben Morgen noch an einer anderen Gartenstelle verscharrt, gleich nach Szulskis Abreise." "Nun, wir werden ja sehen", hatte  Vowinkel  hierauf  geantwortet  und  einen  seiner  Gerichtsdiener  abgeschickt,  um  sich  in Tschechin selbst über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Aussa ge zu vergewissern. Und als sich nun in kürzester Frist alles bestätigte, oder mit anderen Worten, der vergrabene Speck wirklich an der von Hradscheck angegebenen Stelle gefunden wurde, hatte man das Verfahren eingestellt, und  an  demselben  Nachmittage  noch  war  der  unter  so  schwerem  Verdacht  Gestandene  nach Tschechin   zurückgekehrt   und   in   einer   stattlichen   Küstriner   Mietschaise   vor   seinem   Hause vorgefahren. Ede, ganz verblüff, hatte nur noch Zeit gefunden, in die Wohnstube, darin sich Frau Hradscheck befand, hineinzurufen: "Der Herr, der Herr …", worauf Hradscheck selbst mit der ihm eigenen  Jovialität  und  unter  dem  Zurufe:  "Nun  Ede,  wie  geht’s?"  in  den  Flur  seines  Hauses eingetreten,  aber  freilich  im  selben  Augenblick  auch  wieder  mit  einem  erschreckten  "Was  is, Frau?"  zurückgefahren  war.  Ein  Ausruf,  den  er  wohl  tun  durfte.  Denn  gealtert,  die  Augen  tief eingesunken und die Haut wie Pergament, so war ihm Ursel unter der Tür entgegengetreten. Hradscheck war da, das war das eine Tschechiner Ereignis. Aber das andere stand kaum dahinter zurück: Eccelius hatte, den Sonntag darauf, über Sacharja 7, Vers 9 und 10 gepredigt, welche Stelle 36
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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