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Unterm Birnbaum

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viele   Jahre   hin   ein   Intimus   bei   Hradscheck   gewesen,   bis   dieser   eines   Tages,   des   ewigen Gratisseinschenkens  müde,  mit  mehr  Übermut  als  Klugheit  gesagt  hatte:  "Hören  Sie,  Geelhaar, Rum ist gut. Aber Rum kann einen auch ‘rumbringen." Auf welche Provokation hin (Hradscheck liebte dergleichen Witze) der sich nun plötzlich aufs hohe Pferd setzende Geelhaar mit hochrotem Gesicht geantwortet hatte: "Gewiß, Herr Hradscheck. Was kann einen nich alles ‘rumbringen? Den einen dies, den andern das. Und mit Ihnen, mein lieber Herr, is auch noch nicht alle Tage Abend." Von der aus diesem Zwiegespräch entstandenen Feindschaft wußte das ganze Dorf, und so kam es, daß man nicht viel darauf gab und im wesentlichen bloß lachte, wenn Geelhaar zum hundersten Male versicherte: "Der? Der muß ans Messer." "Der muß ans Messer", sagte Geelhaar, aber in  Tschechin hieß es mit jedem Tage mehr: "Er kommt wieder frei." Und "he kümmt wedder rut", hieß es auch im Hause der alten Jeschke, wo die blonde Nichte, die Line – dieselbe, nach der Hradscheck bei seinen Gartenbegegnungen mit der Alten immer zu fragen pflegte – seit Weihnachten zum Besuch war und an einer Ausstattung, wenn auch freilich nicht an ihrer  eigenen,  arbeitete.  Sie  war  eine  hervorragend  kluge  Person,  die,  trotzdem  sie  noch  keine Siebenundzwanzig zählte, sich in den verschiedensten Lebensstellungen immer mit Glück verscht hatte: früh schon als Kinder- und Hausmädchen, dann als Nähterin und schließlich als Pfarrköchin in  einem  neumärkischen  Dorf,  in  welch  letzterer  Eigenschaft  sie  nicht  nur  sämtliche  Betstunden mitgemacht,  sondern  sich  auch  durch  einen  exemplarisch  sittlichen  Lebenswandel  ausgezeichnet hatte.   Denn   sie   gehörte   zu   denen,   die,   wenn   engagiert,   innerhalb   ihres   Engagements   alles Geforderte leisten, auch Gebet, Tugend und Treue. Solcher Forderungen entschlug sich nun freilich die Jeschke, die vielmehr, wenn sie den Faden von ihrem Wocken spann, immer nur Geschichten von begünstigten und genasführten Liebhabern hören  wollte,  besonders  von  einem  Küstriner  Fouragebeamten,  der  drei  Stunden  lang  im  Schnee hatte warten müssen. Noch dazu vergeblich. All  das freute die Jeschke ganz ungemein, die dann regelmäßig hinzusetzte: "Joa, Line, so wihr ick ook. Awers moak et man nich to dull." Und dann antwortete diese: "Wie werd ich denn, Mutter Jeschke!" Denn sie nannte sie nie Tante, weil sie der nahen Verwandtschaft mit der alten Hexe schämen mochte. Plaudern war beider Lust. Und plaudernd saßen beide Weibsen auch heute wieder. Es war ein ziemlich kalter Tag und draußen lag fußhoher Schnee. Drinnen aber war es behaglich, das  Rotkehlchen  zwitscherte,  die  Wanduhr  ging  in  starkem  Schlag  und  der  Kachelofen  tat  das Seine.  Dem  Ofen  zunächst  aber  hockte  die  Jeschke,  während  Line  weitab  an  dem  ganz  mit Eisblumen überdeckten Fenster saß und sich ein Guckloch gepustet hatte, durch das sie nun bequem sehen konnte, was auf der Straße vorging. "Da  kommt  ja  Gendarm  Geelhaar",  sagte  sie.  "Grad’  über  den  Damm.  Er  muß  drüben  bei Kunicke gewesen sein. Versteht sich, Kunicke frühstückt um diese Zeit. Und sieht auch so rot aus. Was  er  nur  will?  Er  wird  am  Ende  der  armen  Frau,  der  Hradschecken,  einen  Besuch  machen wollen. Is ja schon vier Wochen Strohwitwe." "Nei, nei", lachte die Alte. "Dat deiht he nich. Dem is joa sien ejen all to veel, so lütt se is. Ne, ne, den kenn ick. Geelhaar is man blos noch för so." Und dabei machte sie die Bewegung des aus der Flaschetrinkens. "Hast recht", sagte Line. "Sieh, er kommt grad’ auf unser Haus zu." Und  wirklich,  unter  diesem  Gespräch,  wie’s  die  Jeschke  mit  ihrer  Nichte  geführt  hatte,  war Geelhaar von der Dorfstraße her in einen schmalen, bloß mannsbreiten Gang eingetreten, der, an der Hradscheckschen Kegelbahn entlang, in den Garten der alten Jeschke f ührte. Von hier aus war auch der Eingang in das Häuschen der Alten, das mit seinem Giebel nach der Straße stand. "Guten Tag, Mutter Jeschke", sagte der Gendarm. "Ah, und guten Tag Lineken. Oder ich muß jetzt wohl sagen Mamsell Linchen." Line,   die   den   stattlichen   Geelhaar   (er   hatte   bei   den   Gardekürassiere n   gedient),   aller despektierlichen  Andeutungen  der  Alten  ungeachtet,  keineswegs  aus  ihrer  Liste  gestrichen  hatte, stemmte  sofort  den  linken  Fuß  gegen  einen  ihr  gegenüberstehenden  Binsenstuhl  und  sah  ihn 30
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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