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Unterm Birnbaum

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das war alles sein! Aber wie lange noch? Er sann ängstlich nach und fuhr aus seinem Sinnen erst auf, als er, ein paar Schritte von sich entfernt, eine große, durch ihre Schwere und Reife sich von selbst ablösende Malvasierbirne mit eigentümlich dumpfem Ton aufklatschen hörte. Denn sie war nicht  auf  den  harten  Mittelsteig,  sondern  auf  eins  der  umgegrabenen  Möhrenbeete  gefallen. Hradscheck ging darauf zu, bückte sich und hatte die Birne kaum aufgehoben, als er sich von der Seite her angerufen hörte: "Dag, Hradscheck. Joa, et wahrd nu Tied. De Malvesieren kümmen all von sülwst." Er wandte sich bei diesem Anruf und sah, daß seine Nachbarin, die Jeschke, deren kleines, etwas zurückgebautes  Haus  den  Blick  auf  seinen  Garten  hatte,  von  drüben  her  über  den  Himbeerzaun guckte. "Ja,  Mutter  Jeschke,  ‘s  wird  Zeit",  sagte  Hradscheck.  "Aber  wer  soll  die  Birnen  abnehmen? Freilich wenn Ihre Line hier wäre, die könnte helfen. Aber man hat ja keinen Menschen und muß alles selbst machen." "Na, Se hebben joa doch den Jungen, den Ede." "Ja, den hab ich. Aber der pflückt bloß für sich." "Dat sall woll sien", lachte die Alte. "Een in’t Töppken,  een in’ Kröppken." Und  damit  humpelte  sie  wieder  nach  ihrem  Hause  zurück,  während  auch  Hradscheck  wieder vom Garten her in den Elur trat. Hier  sah  er  nachdenklich  auf  die  Stelle,  wo  vor  einer  halben  Stunde  noch  die  Rapssäcke gestanden hatten, und in seinem Auge lag etwas, als wünsch’ er, sie stünden noch am selben Fleck, oder ‘es wären neue statt ihrer aus dem Boden gewachsen. Er zählte dann die Fässerreihe, rief im Vorübergehen einen kurzen Befehl in den Laden hinein und trat gleich danach in seine gegenüber gelegene Wohnstube. Diese machte neben ihrem wohnlichen zugleich einen eigentümlichen Eindruck, und zwar, weil alles in ihr um vieles besser und eleganter war, als sich’s für einen Krämer und Dorfmaterialisten schickte.  Die  zwei  kleinen  Sofas  waren  mit  einem  hellblauen  Atlasstoff  bezogen,  und  an  dem Spiegelpfeiler  stand  ein  schmaler  Trumeau,  weiß  lackiert  und  mit  Goldleiste.  Ja,  das  in  einem Mahagonirahmen über dem kleinen Klavier hängende Bild (allem Anscheine nach ein Stich nach Claude Lorrain) war ein Sonnenuntergang mit Tempeltrümmern und antiker Staffage, so daß man sich füglich fragen durfte, wie das alles hierherkomme? Passend war eigentlich nur ein Stehpult mit einem Gitteraufsatz und einem Guckloch darüber, mit Hilfe dessen man über den Flur weg auf das große Schiebefenster sehen konnte. Hradscheck legte die Birne vor sich hin und blätterte das Kontobuch durch, das aufgeschlagen auf  dem  Pulte  lag.  Um  ihn  her  war  alles  still,  und  nur  aus  der  halb  offen  stehenden Hinterstube vernahm er den Schlag einer Schwarzwälder Uhr. Es war fast, als ob das Ticktack ihn störe, wenigstens ging er auf die Tür zu, anscheinend um sie zu schließen; als er indes hineinsah, nahm er überrascht wahr, daß seine Frau in der Hinterstube saß, wie gewöhnlich schwarz, aber sorglich gekleidet, ganz wie jemand, der sich auf Figurmachen und Toilettendinge versteht. Sie flocht eifrig an einem Kranz, während ein zweiter, schon fertiger, an einer Stuhllehne hing. "Du hier, Ursel! Und Kränze! Wer hat denn Geburtstag?" "Niemand.  Es  ist  nicht  Geburtstag.  Es  ist  bloß  Sterbetag,  Sterbetag  deiner  Kinder.  Aber  du vergißt alles. Bloß dich nicht." "Ach,  Ursel,  laß  doch.  Ich  habe  meinen  Kopf  voll  Wunder.  Du  mußt  mir  nicht  Vorwürfe machen. Und dann die Kinder. Nun ja, sie sind tot, aber ich kann nicht trauern und klagen, daß sie’s sind. Umgekehrt, es ist ein Glück." "Ich verstehe dich nicht." "Und ist nur zu gut zu verstehn. Ich weiß nicht aus noch ein und h abe Sorgen über Sorgen." "Worüber? Weil du nichts Rechtes zu tun hast und nicht weißt, wie du den Tag hinb ringen sollst. Hinbringen, sag ich, denn ich will dich nicht kränken und von Zeittotschlagen sprechen. Aber sage selbst, wenn drüben die Weinstube voll ist, dann fehlt dir nichts. Ach, das verdammte Spiel, das ewige Knöcheln und Tempeln. Und wenn du noch glücklich spieltest! Ja, Hradscheck, das muß ich 3
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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